taunusreiter TAUNUSREITER
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Neu Jan. 2019

Von den Alpen bis zum Meer - 1092 km in 27 Tagen  -- Juli 2019

Fortsetzung von Teil 1

Unterwegs

Vorbereitung : Die Strecke

Zur Idee für den Ritt kam ich 2016 über den Bericht über den Distanzritt „Hamburg-München“ (1976) im selten zu findenden Buch der damaligen Teilnehmerin Ursula Schmitt. Die Reiter mussten damals westlich um den Harz herum, durch die Gegend von Salzgitter, und es gab viele Klagen über harte Wege und viel Asphalt. Weiter im Osten konnte man wegen der Stacheldrahtgrenze zur DDR nicht reiten. Das müsste heute viel angenehmer gehen, dachte ich mir.
Zunächst war meine Idee, die Strecke wie für einen Distanzritt auszuarbeiten, mit Tagesstrecken von 60 bis maximal 70 KM. Ich habe auf den Albritten erlebt, dass meine Stute das über mehrere Tage (ohne Gepäck) schafft und dabei in glänzender Verfassung bleibt oder sogar zunimmt. In Tempo 6 geritten - die besseren Wege im leichten Trab, die schlechteren im Schritt geführt. 6-7 Stunden Reitzeit am Tag, damit genügend Zeit für Fressen und Ruhe bleibt. Das kann fast jedes gute Pferd schaffen, finde ich. Nicht zu schwer, gesund, trainiert, schlank, fitter Reiter, usw... vorausgesetzt.

Anstatt von Nord nach Süd wollte ich von Süd nach Nord reiten. Und dann kam der Gedanke : Anstatt in die Heide südlich von Hamburg, wo mir als Ortsunkundigem kein markantes Ziel einfällt, wäre die Strecke nicht viel weiter, wenn man, immer am Schaalsee entlang, an die Ostsee (Lübecker Bucht) ritte... „Von den Alpen hinab ans Meer“.

Diese Strecke hatte ich in 16 Tagesetappen aufgeteilt und mit 988,6 KM exakt vermessen:

Start Münchner Hütte/ Spitzingsee

1.   Römersiedlung Peiß (49)

2.   Neukirchen östl. Erding (58)

3.   Pöbenhausen (68)

4.   Tiefenhüll (über Donaufähre Hiernheim = diese nimmt nun keine Pferde mehr mit) und Tatzelwurmbrücke (63)

5.   Pommelsbrunn, Wüllersdorf 1 (60)

6.   Plankenfels (68)

7.   Schnabrichsmühle (61)

8.   Linda (66)

9.   Eckartsberga (71)

10.  Sotterhausen (52)

11.  Königsauer See (54)

12.  Bülstringen (70)

13.  Hohenböddenstedt (69)

14.  Darchau, Göpelhaus (Elbfähre) (68)

15.  Knese, Dutzow, Gutshof-Ruine (60)

16.  Brook, Ostsee (Klützer Winkel) (51)

 

Nach all den Planungen und Ausmessungen fand ich die Streckenlängenangaben von Hamburg-München (1976) wie auch vom langem Trabweg (Elsaß – Nordsee 1991) nicht nachvollziehbar hoch, denn meine Strecke war geographisch weit länger und ich kam auf knapp unter 1.000 km. Ohne Straßen und übermäßig harte Wege versteht sich.
Sowohl die Ritte Hamburg-München wie der lange Trabweg litten meines Erachtens an unregelmäßigen und teils überlangen Tagesetappen, diktiert vom Mangel an Stationen für eine Masse von Startern und Begleitfahrzeugen. Das ist den Pferden nicht gut bekommen und resultierte in übermäßigen Anstrengungen und Ausfällen. Viele Teilnehmer machten aus dem Ritt ein Straßenrennen, sei es aus Not (ausgewiesene Strecke unkontrolliert und unbereitbar) oder fehlgeleitetem Ehrgeiz. Keiner der Favoriten, allesamt erfahrene Mehrtagesreiter, schaffte die gesamte Strecke auch nur annähernd, es gewann eine krasse Außenseiterin. Das Ergebnis des langen Trabwegs war sportlich niederschmetternd - so sehr dass 30 Jahre lang niemand den Mut fand, einen ähnlich langen Ritt zu wiederholen. Was sehr schade ist.

Die Idee, diese Strecke in 16 Tagen zu reiten, finde ich dagegen immer noch gut. Ich denke, was mein Pferd mit Gepäck in 26 Tagen geschafft hat – der Abstecher nach Redefin ging einen Tag extra - könnten viele gute Pferde ohne Gepäck in 16 Tagen leisten. Schließlich bin ich weit davon entfernt, meine Araberstute für ein Weltklassepferd zu halten, oder mich für einen Weltklassereiter. Nichts könnte ferner liegen!

Feldweg Börde

 

Streckenführung: Überlegungen und Rücksichten

Vom Fuße der Alpen bis hinab zum Meer, einmal quer, oder vielmehr längs durch Deutschland, abseits der großen Verkehrsachsen, durch dünnbesiedeltes Gebiet und große Waldgebiete. Das war der Masterplan.

Wie aber plant man so etwas im Detail durch ? Hier trennt sich schon die Spreu vom Weizen. Wanderreitquartiere ? Man kann ja mal suchen, auf wieviel hundert Kilometern sie ganz fehlen. Ganz Einfältige nehmen Google oder ein Routingprogramm und laufen nach der Luftlinie los (früher nahm man eine Landkarte, Lineal und Bleistift). Sie werden unterwegs an soviele Hindernisse geraten dass sie keine 16 Tage brauchen, auch keine 27, sondern mindestens 47. Nachher werden sie viel zu erzählen haben was ihre Zuhörer erheitert, aber im direkten Erleben wenig erheiternd war. Und ob die Pferde etwas Gutes davon hatten steht noch auf einem ganz anderen Blatt…

Die Idee mit der Schulatlaskarte ist aber nicht ganz verkehrt, jedenfalls im Prinzip und für den Anfang. Als nächstes muss man nämlich nach den Flüssen gucken. Auf Stadt-, Industrie- und Gewerbegebiete, große Wind- und Solarparks, große Truppenübungsplätze (sofern noch in Betrieb, über die anderen kommt man schon mal heimlich drüber), Verkehrsknotenpunkte : Um all das gilt es, Bögen zu machen. Häufig genügen schon kleine. Man muss dann immer feiner hineinzoomen. Oft plant man 50 KM weit und merkt dann: Nein, das wird keine schöne Strecke. 30 KM weiter östlich geht es vielleicht besser. Und fängt wieder an.

Nach 27 Tagen Ritt habe ich gesagt : Ich bin durch ein dünnbesiedeltes Deutschland gekommen, wie ich es nicht glaubte, dass es so etwas Schönes noch gibt - voller ungestörter Natur, fast ohne große Straßen. Größere Siedlungen sah ich nur, wenn ich – alle vier Tage - zum Einkaufen in sie hineinritt. Die Berge Süddeutschlands, endlose Wälder, die Donau, 5m hoch auf Dämmen reitend in frischem Wind. Ich habe ein Norddeutschland wiedererlebt, wie ich es aus meiner Kindheit vor 50 Jahren kannte, in einem blechschalenen Kindersitz auf dem Fahrrad, hinter der Lenkstange vor meinem Großvater, über Sand- und Kieswege fahrend, durchs Venn, gemeinsam Lieder singend. Diesmal waren es die gespitzten Ohren des geliebten Pferdes vor mir, im Canter über feste endlose Sandwege. Kiefernwälder, endlose Felder, Alleen, darüber den blauen Himmel mit buschigen weißen Wolken. Nichts hat gestört. Es war perfekt.

Der längste Streckenabschnitt verläuft in Bayern, dann geht es zwei Tage durch Thüringen, 4-5 Tage durch Sachsen-Anhalt, dann ein Stück Niedersachsen und 3 Tage Mecklenburg-Vorpommern.

Wir umritten den Großraum München im Ebersberger Forst. Das Gebiet um Kulmbach, sowie die gefältelten Höhen der Fränkischen Alb, Oberpfalz und Frankenwald, soweit sie nicht entlang unserer Reitrichtung von Süd nach Nord folgen. Main, Wilde Rodach und Rennsteig zeigen die Stelle an, wo die deutsche Hauptwasserscheide (mit 710 m Meereshöhe) am günstigsten zu queren ist. Die A9 nimmt die geographisch günstige Haupthöhe ein, und zwang mich vier Tage westlich von ihr zu reiten, immer außer Hör- und Sichtweite, abwechslungsreich über kleine Hügel mit stetem Wechsel aus Feld und Wald, zweimal die Sächsische Saale überquerend, bis zum Hermsdorfer Kreuz, wo ich ganz nah an sie herankam.

Das Thüringer Becken mit endlosen Feldern und Windrädern galt es auch zu meiden, nämlich über Dorndorf, Camburg und Eckartsberga. Die feste Ahnung vom Tor zwischen Nord- und Süddeutschland. Scharf an den östlichen Ausläufern des Harzes entlang – Quedlinburg bleibt westlich liegen – und hinab zur Magdeburger Börde. Ab hier ist die Strecke flach bis zu den kleinen Dünenhügeln der Altmark. Über diese, und durch das Waldgebiet der Göhrde, geht es zur Elbe.

Da man große Aufgaben aufspalten soll bis sie klein und handhabbar werden, habe ich mehrere Routen angelegt, an denen ich arbeitete. Am Ende mache ich vier Viertel von etwa je 250 KM draus : Degernpoint, Abusinia, Holzberg, Plothen, Memleben, Großgermersleben, Solpke, Hohenzethen - Namen wie Leuchttürme, am Ende glaubt man fast dass man nun ohne Karte reiten kann weil man alles im Kopf hat. Ein paar kleine Modifikationen und Alternativen nehme ich noch mit und will hier spontan entscheiden. Irgendwann stelle ich fest dass Landgestüt Redefin nah bei der Strecke liegt (einen Tagesritt zusätzlich). Dass man von dort gar nicht in nordwestliche Richtung weiterkommt, weil da zwei Truppenübungsplätze liegen und die Bundesbahn alle alten Bahnübergänge über die Bahnstrecke Hamburg – Berlin abgebaut hat, was nur die neuesten Karten zeigen, machte noch Extra-Aufwand und soll hier nur exemplarisch genannt sein.

Geplant habe ich die Strecke am PC, mit dem Tourenportal gpsies (im Januar 2020 eingestellt), Openstreetmap Karten und Google Satellitenbildern einerseits, sowie mit dem Programm MOBAC, und topographischen Karten von ca. 2009 und den offiziellen, frei verfügbaren und aktuellen Topo-Karten von Bayern und Thüringen andererseits. Aus MOBAC habe ich mir auch die Karten für meine Navigationsapp LOCUS zurechtgeschnitten und (als sqlite-db) formatiert. Etwa 2 GB Speicher, größer sind die Rasterkarten nicht. Eine Ersatz –SD-Karte kommt selbstverständlich auch mit.

Feldweg Börde

Mit Smartphone ?

Zum ersten Mal will ich einen Ritt länger als fünf Tage mit GPS-Smartphone statt mit Papierkarten reiten: 1000 geplante km Strecke in topographischen Karten, das gäbe einen entsetzlichen Papierstapel. Das Problem ist dabei die Akkuleistung der Handys im GPS-Betrieb, die immer nur 5-6 Stunden reicht, bei meinem 3 Jahren alten 8“ Tablet (eigentlich dafür prädestiniert) jetzt noch weniger. Ein paar Wochen vor dem Ritt schaffe ich mir noch ein extrastarkes neues Handy an, ein Motorola G7 Power mit 5 Ah Akku. Es ist etwas groß, hat dafür ein 6“ Display, und hält 1,5-2 Reittage mit einer Akkuladung durch. Zum Wiederaufladen unterwegs setze ich auf ein 28 W Solarladeteil, ein Akkupack mit 24 Ah - alles nicht mehr als wüste Behauptungen, diese Leistungsangaben) und als wichtigstes ein Schnelladegerät für die Steckdose. Denn es stellt heraus, dass Steckdosen alle 2-3 Tage doch unabdingbar notwendig sind. Zur Sicherheit – und nach entsprechenden Enttäuschungen auf dem 3-Tage-Proberitt - habe ich dann doch alle Reitetappen (mit Ausnahme des Abstechers nach Redefin) spaltenweise auf pdf kopiert und ausgedruckt mitgenommen: 18 doppelseitig bedruckte Seiten papierähnlicher wasserfester Polyesterfolie (120 µm) : Doch gar nicht soviel. Aber mit sehr wenig Kartenrand für Verritte und allfällige Umplanungen. Ich reite nach diesem "Backup" immerhin zwei volle Tage (Tag 3 und 4), weil mir zwischendurch der Strom fehlt und die Powerbank den Geist aufgibt. Nach dem Ritt funktioniert die Schnelladefunktion des Handy nicht mehr. Ich schicke es ein und bekomme es unrepariert wieder: Angeblich hat es einen Wasserschaden - es war einmal im Gewitter an…

 

Die endgültige Planung

25 Tage (Redefin extra, statt Nr. 22, plus 1 Tag), 999,3 km

Start Münchner Hütte (Spitzingsee)

1.   Maxlmühle, Mangfalltal (38))

2.   Rasthaus B 12 (47)

3.   Thenner Weiher (39)

4.   Niederhinzinger Winterparadies (39.5)

5.   Römerkastell Abusina Eining (38)

6.   Holzberg Tiefenhüll (38)

7.   Trautmannshofen (41.5)

8.   Siglitzberg (38)

9.   Plankenfels (45)

10.  Oberdornlach (40)

11.  Langenbach, Schwedenwache (40)

12.  Plothen-Stockert (44)

13.  Serba (41)

14.  Eckartsberga, Holländermühle (34)

15.  Sonderlandeplatz Allstedt (40)

16.  Talwiesen Eine, Goldene Brücke (37)

17.  Kroppenstedt (44)

18.  Kuhlager Bebertal (40)

19.  Solpke (38.5)

20.  Hohenböddenstedt (44)

21.  Hohenzethen (43)

22.  Brahlstorf (45)

23.  Knese, Dutzow, Gutshof-Ruine (43)

24.  Dassow (34)

25.  Redewisch Meerparkplatz, Klützer Winkel (27)


Link: GPX-Track bei AllTrails (Final)

An der Elbe


- wird fortgesetzt -

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