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Pferd A |
Pferd B |
Pferd C |
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Ruhepuls (HRmin) |
25 |
30 |
30 |
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Maximalpuls (HRmax) |
240 |
210 |
180 |
|
Herzfrequenz-Reserve |
215 |
180 |
150 |
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(HRmax -
HRmin) |
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Geringfügige Belastung |
132,5 |
120 |
105 |
|
bis 50% HF-Reserve |
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Basisausdauer |
164,75 |
147 |
127,5 |
|
(50-65% HF-Reserve) |
|
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Aerobes Training |
197 |
174 |
150 |
|
(65-80% HF-Reserve) |
|
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Anaerobes Training |
218,5 |
192 |
165 |
|
(80-90% HF-Reserve) |
|
|
|
|
Maximaltraining |
240 |
210 |
180 |
|
(90-100% HF-Reserve) |
|
|
|
Wie in
der humanen
Sportphysiologie werden die Belastungsstufen als Prozentwerte der Herzfrequenz-Reserve *)
(HRmax. minus Ruhepuls) definiert.
-
*)
Belastungsstufen werden strenggenommen nicht anhand von
Herzfrequenzen sondern von erbrachter Leistung,
z.B. in Prozentsätzen der Basisgeschwindigkeit Vmax.O²
(=Geschwindigkeit bei maximaler Sauerstoffaufnahme)
festgelegt. Diese beim Pferd zu ermitteln, verlangt aber einigen
apparativen
Aufwand (Laufband, Gasanalysegerät). Zudem ist im Gelände selbst die
Geschwindigkeit über kurze Abschnitte schwer messbar. Aber wie oben
erwähnt,
verhält sich die Herzfrequenz innerhalb des aeroben Bereichs, unter
sonst
gleichen Bedingungen (Steigung, Bodenbeschaffenheit), proportional zur
Geschwindigkeit – kann also als Meßeinheit dienen.
Die
Belastungszonen für ein
spezielles, schon trainiertes Pferd (in diesem Fall mit hoher HRmax.)
könnten
konkret und leicht handhabbar wie folgt schematisiert werden:

Mit
einem HRM reitet man
zunächst wie bisher und beobachtet nur, wie sich die Werte verhalten.
Das wichtigste ist, daß die gemessenen
Werte
korrekt sind, also der Leistung entsprechen. Erratische Ergebnisse wie
z.B.
“120”, “164”, “110”, “240” zeigen an, daß etwas nicht funktioniert,
ebenso wie
längeres Feststecken bei einer bestimmten Zahl. Alle 5-7 Sekunden muß
eine neue
Zahl im Display erscheinen, bei gleichbleibender Belastung oft nur um
1-2
Schläge verschieden von der vorherigen. Wird die Belastung erhöht, soll
sie
7-15 Sekunden später im Display sichtbar werden. Wenn z.B. trotz
angezogenen
Tempo im Handgalopp die Pulswerte immer noch um 110-120 pendeln, kann
man
sicher sein daß etwas nicht stimmt. Dann wird statt der Herzfrequenz
die
Schrittfrequenz angezeigt.
Es ist
zunächst wichtig,
Daten zu sammeln, also die Werte zu notieren, in ein Notizbuch oder ein
Diktaphon während des Rittes, und in einer Kartei oder
computergestützten
Datenbank zu sammeln und auszuwerten, um eine Grundlage zu haben,
Konditionsänderungen festzustellen.
Beobachtung: Ligeira, Fjord-Araber, 11 Jahre, 1,47m,
400 kg,
Reiter 75kg,
Winterfell (März 1996):
|
Ruhepuls |
34 |
|
Schritt,
ohne Belastung (bergab) |
70-80 |
|
Schritt,
entspannt, 5 km/h |
80-90 |
|
Schritt, 6-7
km/h |
90-100 |
|
Schritt,
angestrengt bergauf |
110-140 |
|
Trab, Jog,
10-12 km/h |
100-120 |
|
Trab,
Arbeitstrab, 12-15 km/h |
110-140 |
|
Trab,
Starker Trab, 15-18 km/h |
150-170 |
|
Trab, Jog
bergauf |
150-180 |
|
Galopp,
Canter, 15 km/h flach |
120-140 |
|
Galopp,
18-20 km/h flach |
140-170 |
|
Galopp, 15
km/h, bergauf |
170-210 |
|
Maximum,
schneller Galopp bergauf |
235 |
Folgende Auffälligkeiten können ganz allgemein
beim Reiten mit HRM beobachtet werden:
Wer
bergab trabt stellt
fest daß die Pulsfrequenz erheblich absinkt, je nach Pferd 20 Schläge
und mehr
gegenüber dem Wert in der Ebene. Wenn man das feststellt, wird man den
Bergabtrab bald ziemlich aus dem Trainingsprogramm verbannen, weil er,
was das cardiovasculare Training betrifft, kaum
Nutzen hat. Wenn aber beim Bergabtraben
die Werte einmal nicht wie üblich fallen, ist das ein ziemlich sicheres
Zeichen
für Schmerzen in den Vorderbeinen, und beginnenden oder chronischen
Problemen .
(Selbst bei gutem Reiten trägt die Vorderhand beim Bergabreiten ein
Großteil
des Gewichts - das ist eine Sache der Physik woran wir relativ wenig
ändern
können.)
Der
Reiter tut gut daran,
solch feine Alarmzeichen zu beachten, und Tempo zurückzunehmen, bevor
ein
größeres Problem daraus entsteht. Zwar ist es in gewissen Rahmen höchst
individuell bedingt, aber stark abfallende Pulswerte scheinen fast ein
Indiz
gesunder Vorderbeine sind. Das Gegenteil mag nicht immer richtig sein,
aber
oft.
Auch
sonst sind erhöhte
Pulswerte oft ein Zeichen von Unwohlsein
oder Schmerzen. Der Reiter tut gut daran, zunächst langsam zu machen,
und die
Ursache festzustellen. Einige Pferde vertragen es nicht gut vor dem
Reiten
gefüttert zu werden und es gibt keinerlei andere Anzeichen, als einen
um 10
Schläge erhöhten Puls. Der Reiter tut gut, seine Fütterungsroutinen zu
überdenken, und nichts besonderes vom Pferd zu verlangen, bis es seine
Normalwerte wieder erreicht hat. Es gibt Schmerzen bei denen die
Pulswerte
nicht hochgehen, und bei manchen Pferden gehen sie mehr hoch als bei
anderen.
Aber es ist immer klug festzustellen wenn etwas ausser der Norm ist.
An einem
bestimmten Tag
komme ich extra früher aus dem Büro, die Sonne scheint und ich möchte
einen
richtig langen und schwierigen Trainingsritt machen. Das Pferd läuft
gut, aber
während des Warmreitens stelle ich fest daß die Pulswerte 10 Schläge
höher als
normal sind. Wird jetzt der intelligente Reiter am ursprünglichen Plan
festhalten? Wohl kaum. Steigt er ab und führt sein Pferd nachhause?
Auch nicht,
es sei denn, es will nicht vorwärtsgehen wie sonst, und es gibt noch
andere
Anzeichen. Stattdessen biegt er auf eine kürzere Strecke ab, oder macht
einen
Bummelritt, und achtet in den nächsten Tagen auf Anzeichen einer
Infektion,
oder Erkältung.
Genauso
sind schlechte
Reiter, oder unpassende Ausrüstung (Sättel) Grund für Erhöhung der
Pulswerte.
Wenn ich mein Pferd einem anderen Reiter gebe, damit er es einen Teil
der Woche
trainiert, würde ich ihm auferlegen mit HRM zu reiten und die Daten
aufzuzeichnen. Es ist ein mächtiges Tool zur Kontrolle. Unbemerkte
Überforderung wird damit ein ganzes Stück unwahrscheinlicher. Die
Voraussetzung
ist, daß man es mit Verstand gebraucht,
wie mit allen Dingen.
Ich gebe
zu, daß auch ich
anfangs skeptisch gegenüber dem HRM eingestellt war, aus ähnlichen
Gründen wie
zu Anfang des Artikels beschrieben. Skepsis ist nie eine verkehrte
Eigenschaft
für einen Reiter. Mittlerweile habe ich meine Meinung zum HRM geändert.
Seitdem
ich ihn konsequent im Training verwende (ca. 5 Jahre), habe ich alle
größeren
Trainingsverletzungen vermieden (kleinere sind nicht immer zu
vermeiden).
Fehler sind unvermeidlich, aber die Chance zur Fehler-Früherkennung
ist mit Heartrate-Monitor deutlich verbessert.
Wir müssen uns darüber klar sein, daß das Risiko steigt, je mehr KM,
und je
schneller wir reiten, und sich Fehler in ihren Auswirkungen mit
KM-Leistung und
Geschwindigkeit potenzieren. Einige ziehen daraus den Schluss so wenig wie nötig zu trainieren, aber
dieser Weg bringt das Pferd ungenügend vorbereitet auf den Wettkampf,
mit den
entsprechenden Verletzungsrisiken. “No surprises” und “Train hard, win
easy”
sind weit intelligentere Ansätze zum Training von Athleten - erfordern
aber
auch mehr Arbeit (im geistigen Sinne, wie in Punkto Sitzfleisch als
Reiter). In
manchen Kreisen sind sie deshalb unbeliebt... Wie auch immer: Der HRM
soll dazu
führen, bewußter und vorsichtiger zu reiten, dann hat er seinen Zweck
erfüllt.
Oft hat das im Gefolge, seiner reiterlichen Intuition wieder mehr zu
trauen
(was leicht ins Hintertreffen gerät im Bewußtsein des
“Leistungstrainings”!),
oder diese zu verfeinern.
Um
Trainingsfortschritte im
aeroben Bereich für ein bestimmtes Pferd festzustellen gibt es eine
relativ
einfache Methode: Man mißt eine ebene Geländestrecke mit gutem Geläuf
von
800-1500m ab (auch nach der Karte), reitet sie im Trab oder Galopp nach
gutem
Warmreiten mit möglichst gleichmäßiger Geschwindigkeit und Herzfreuenz
(z.B.
140) und stoppt die Zeit. Anschließend dividiert man die
Geschwindigkeit (in
Meter/ Min) durch die Herzfrequenz. Je mehr Meter das Pferd mit jedem
Herzschlag zurücklegt desto größer die aerobe Fitneß. IVERS gibt an daß
trainierte Vollblüter im Canter auf 14 ft/bt kommen während
untrainierte
Vollblüter nur 7 ft/bt erreichen (1m = 3.281 ft). Voll vergleichbar
sind nur
Werte die in derselben Gangart und im gleichen Pulsbereich genommen
wurden. Bei
Pferden die sich im langsamen Galopp aufregen, sind die Indexzahlen bei
niedrigen Bereichen wie 140 eventuell verfälscht (emotionale
Artifakte). Man
kann das ab und zu machen um Trainingsfortschritt festzustellen, sollte
aber
beachten daß witterungs- und geläufbedingte Unterschiede erhebliche
Meßdifferenzen hervorrufen.
Wenn man
zwei Pferde auf
einer ebenen Strecke von vielleicht 2-3000m mit hohem Tempo, vielleicht
18-20
km/h laufen läßt, werden die Laufwerte selbst wenig Anhalt bieten
welches gut
und welches mittelmäßig konditioniert ist. Das eine läuft bei hoher
Belastung
mit Puls 180, das andere - vielleicht
sogar das bessere von beiden - mit 185. Anschließend wird zu Trab
(12km/h)
durchpariert. Das fitte Pferd erreicht nun schneller seine bei 12 km/h
“übliche” Trabfrequenz als das weniger
fitte, d.h. die belastungsbedingte Pulserhöhung verschwindet schnell.
Dasselbe
geschieht auch wenn zu Schritt durchpariert wird. SCHNELLE
ERHOLUNG ist das beste Kriterium für Kondition. Viele
notieren daher die Erholungswerte die 60-90 Sekunden nach Beendigung
einer
Höchstbelastung anfallen. Am besten geeignet hierfür ist die
Aufzeichnung der
Pulswerte im 5-Sek.-Rhythmus und graphische Analyse, wie sie technisch
führende
Heartrate-Monitore erlauben.
Praktische
Reiter-Regel:
Kenne den Puls Deines Pferdes im normalgerittenen Schritt. Bei einigen
fällt er
unter 100, bei anderen unter 90, bei manchen mag er unter 80 fallen.
Nach
stärkeren Belastungen muß der Puls – im Ausdauer- und aeroben Training - rasch unter diese magische Normalmarke
fallen. Tut er das nicht und atmet das Pferd stark, halte ich kurz an,
gebe dem
Pferd Rast bis zur Erholung (nur 1-2 Min). Erst dann kann ich eventuell
einen
neuen Belastungsreiz setzen.
Ein
anderer wichtiger
Parameter für Fitneß beim equiden Ausdauersportler ist das STEADY
STATE. Ein fittes Pferd ist in der Lage, über mehrere
Minuten gleichmäßig hoher Belastung mit Puls 180-190 zu laufen. Bei
einem
weniger fitten Pferd würde der Puls auf der gleichen Teststrecke immer
stärker
ansteigen, weil zunehmend Laktat
mobilisiert wird um die Leistung halten können. Ein unfittes Pferd kann
glücklich sein ein Steady-State bei Puls 150-160 zu erreichen. Excellente Pferde mit hoher HRmax.
erreichen an maximales Steady-State von
190-200, d.h. sie sind fähig über mehrere Minuten ein Laktatgleichgewicht
bei Belastungen zu erhalten, bei denen die
Muskeln eines weniger fitten den Dienst quittieren. Bevor das aufgrund
von
Laktat geschieht, heben die Pulswerte ab. Man soll sich in dem
Zusammenhang
übrigens kein Angst machen lassen von vielleicht schon gehörten
“Laktatschwellen”: Laktat ist kein Feind des Athleten – sondern ist ein
zusätzlicher Brennstoff der in FTH-Muskelzellen (fast twitch/ high
oxydative)
genutzt werden kann – ein Vorgang den man im dritten Trainingsjahr
trainieren
kann. Wodurch? Durch vorsichtiges Training an oder oberhalb der
anaeroben
Schwelle. Hier wird der HRM zum wirklich nützlichen Tool.
Die
meisten Pferde können
nicht an ihre Leistungsgrenze herangeritten werden, weil sie zu jung
oder nicht
genügend konditioniert sind, ihr Grundaufbau noch nicht abgeschlossen
ist, sie
mentale Schwierigkeiten haben (zu heissblütig), wegen Problemen
mangelnder
Rittigkeit und Ausbildung – oder aufgrund von Gangwerksproblemen,
bekannten
Schwachpunkten, alten ausgeheilten Verletzungen etc. die Rücksichten
erfordern
– oft über viele Jahre.
Gesetzt
den Fall, wir haben
das seltene Glück ein Pferd zu reiten das unbegrenzt einsatzfähig und
belastbar
ist, gibt es dennoch selbst für den Top-Athleten durch die Physiologie
bedingte
Grenzen.
Die
wahren Gegner des
equiden Ausdauerathleten sind:
- ÜBERHITZUNG,
- WASSER-/ ELEKTROLYTMANGEL,
- ERSCHÖPFUNG DER
ENERGIERESERVEN.
Keines
dieser Probleme
tritt auf kürzeren Ritten auf oder ist auf diesen trainierbar. Gemäß
dem
Grundsatz, das Pferd an alle Wettkampfbedingungen langsam heranzuführen
und zu
gewöhnen, ist es offensichtlich daß ein Trainingsprogramm nur aus
kurzen
schnell Ritten von 1-2 Std. hier nichts bewirkt. Das Tempo daß ein
Pferd über
1-2 Std. gehen kann, oder selbst über 4 Std., kann es noch lange nicht
über
8-10 Std. gehen. Die Gefahr der Erschöpfungsfalle ist dann sehr real.
Pferde zu
trainieren 50 km
in 3 Std. zu gehen, oder 80 km in 6 Std., ist kein allzu großes
Kunststück: LSD
für ein Jahr zur Entwicklung des Fundaments, Leistungstraining ein
Jahr. Das
ist mit jedem günstig veranlagten Pferd erreichbar. Was darüber
hinausgeht, da
wird irgendwo “Elite” feststellbar: Nicht in einem rassistischen Sinne,
bestimmte Zuchtlinien oder Rassemerkmale betreffend, sondern im
athletischen
Sinne: Der Wille absolut vorwärtszugehen, auch unter Schwierigkeiten,
und der
Fähigkeit des Körpers zur Höchstleistung bar jeder antrainierten
Dressur: Ein
Pferd das bei 30° C mit 140 Puls zwei Stunden vorwärtstrabt, jeder
reiterlichen
Anforderung nachkommt, im Puls befriedigend regeneriert, aber bläst wie
eine
Dampflok (Überhitzung!), ist eben trotzdem schlechter als eins, das
unter die
gleiche Leistung aus eigenem Antrieb
erreicht, dabei bis Puls 160 beschleunigt, mehr schwitzt, vielleicht
auch im
Ziel langsamer im Puls regeneriert – aber einen tiefen Atemzug nimmt
und dann
ruhig steht, oder frißt. Erster ist komplett an der Grenze zur Alkalose. Letzteres ist – physiologisch
und mental - der bessere Athlet.
Aber es ist schlechter durch einen Wettkampf zu bringen, weil die
Tierärzte
einen solchen Typ nicht erkennen, und er vielleicht strapazierter
aussieht als
der andere. Der echte Athlet säuft auch nicht bevor ihm wirklich warm
wird, und
wenn das 40 km und mehr dauert! Der
Steppentyp säuft seltener als der Warmblüter oder das Pony, dann aber
verhältnismäßig größere Mengen - selbst auf der Weide mit Überfluß an
Wasser.
Er wirkt eher dehydriert, läuft aber trotzdem. Wenn er das Wasser wirklich braucht, fängt auch
er an zu saufen. Der Typ der schon nach 10 km
Wasser braucht, säuft entweder später nicht ausreichend oder braucht
solche
Wassermengen, daß er nie lebend eine Wüste durchqueren könnte... Die
Beduinen
hätten den anderen Typ gewählt.
Was die Erschöpfung der Energiereserven angeht,
da gibt es verschiedene Schulen, was man tun kann. Die einen
favorisieren große
Mengen Rauhfutter vor und während des Wettkampfes, andere setzen auf
Öl, das
letzte und vielleicht beste Konzept ist Kohlenhydrate-Ergänzung in
konzentrierter Form (Carbo-Charge).
Einig sind sich alle daß Energieerschöpfung kein gottgegebenes
Schicksal ist
wie man das vor 20 Jahren dachte. Einen “toten Punkt” gibt es nicht
notwendigerweise...
Man kann
ein Pferd nicht in
einen starren Trainingsplan stecken, der Woche für Woche festgelegte
Leistungen
vorsieht, und sei er noch so maßgeschneidert. Erstens funktioniert das
Pferd
anders, es gibt immer wieder Notwendigkeiten zurückzuschalten, zweitens
sind
die Trainingsbedingungen des Geländereiters (Wetter, Geläuf etc.) in
den
meisten Fällen so inkonstant dass lineare Leistungsentwicklung kaum
feststellbar ist. Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück, ist üblich. Abrupte Änderungen im
Trainingsspielplan aber sind der Feind jedes, besonders des equiden
Athleten.
Bei hochblütigen Tieren ist auch auf mentale Umstände Rücksicht zu
nehmen. Um
den Überblick zu behalten und wenigstens im
Nachhinein Belastungen abschätzen zu können, haben intelligente
Distanzreiter seit Jahrzehnten Trainingstagebücher geführt. Früher auf
Papier,
heute auf dem PC (Datenbank oder Spreadsheet). Die
Auswertungsfunktionen sind
vielfältiger. Das gibt dem Trainer die Freiheit, intuitiv festzulegen
(oft erst
nach dem Losreiten) ob er heute einen langen oder kurzen,
anspruchsvollen oder
relaxten Ritt macht, je nach Laune und Tagesform – und erlaubt ihm
dennoch,
wenn er hinterher ruhig am Schreibtisch sitzt, eine genaue
Belastungskontrolle.

Abb.
Ausschnitt eines Trainingstagebuchs. Es gibt noch weitere Spalten,
Tabellenblätter, und Grafiken zur Analyse
Außerdem
gibt es viele
andere Notizen die in einem Trainings-Log
nützlich sind – Bemerkungen zum Verhalten, Zeitpunkt und Details des
Hufbeschlages, Gabe von Medikamenten und Wurmkuren,
Fütterungsänderungen, alle
Gesundheitsprobleme. Kein Mensch kann das alles im Kopf behalten. All
das dient
der Erforschung von Ursachen und Wirkungen, nämlich solchen guter wie
schlechter Leistung.
Wie schon
erwähnt, die
intelligenteren der Heartrate-Monitore erlauben heute Speicherung der
Werte und
anschließend Überspielen auf PC, Analyse und graphische Auswertung. Das
ist
alles in der humanen Leichtathletik schon länger üblich und etabliert
sich sehr
langsam auch im (viel konservativeren) Pferdetraining.
Anders
als in der Bahn oder
auf dem Laufband, ist je nach Geländeform die Belastungskurve eines
Trainingsrittes sehr schwankend, es sei denn man ritte rücksichtslos
gegenüber
Geläuf und Steigungen. Ein intelligenter Reiter macht so etwas nicht
und hat deshalb
Schwierigkeiten, Leistungen zu vergleichen. Es geht aber.

Abb.
Zeit/ Herzfrequenzdiagramm eines anspruchsvollen Trainingsrittes. Die
höheren
Zacken repräsentatieren Steigungen und schnellere
Gangarten
Nach einiger Erfahrung
stellt man fest, daß jede Trainingsstrecke ähnlich aussehende
Herzfrequenzkurven erzeugt, da Gelände und Geläuf vorgeben an welchen
Stellen
wie schnell geritten werden kann. Es gibt Funktionen, Kurven zu
überlappen um
sie besser vergleichen zu können, oder sie in andere Grafikprogramme zu
exportieren und dort ausschnittsweise zu vergleichen. Dies erlaubt eine
sehr
präzise Trainingsüberwachung, wie Vergleich mehrerer Athleten
untereinander,
was auch vielleicht für Sichtungsverfahren u.ä. anwendbar wäre.
Letzter
Schliff ist die
Belastungskontrolle über die Saison mit Auswertung nach
Belastungsbereichen
(Basisausdauer, aerobes Training, erhöhte Belastung, anaerobe Grenze,
Maximaltraining).

Abb.
Saisonauswertung nach Belastungsbereichen
Es gibt noch andere Möglichkeiten HRM zu
nutzen, um Pferde optimaler zu trainieren, ihre Leistung zu verbessern
und sie
gesund zu erhalten. Die Entwicklung steht nicht still, und wer moderne
Techniken früher und sinnvoller nutzt als andere hat einen Vorsprung,
zumindest
auf lange Sicht. Während ich dies schreibe, bin ich bereits einen
Schritt
weiter am experimentieren, mit neuartigen Fütterungszusätzen,
Glucosemetern,
Thermistoren und anderem. Es wird sich zeigen, ob sie etwas bringen,
doch ohne
es ausprobiert zu haben werde ich es nicht erfahren. Trainer sollten an
neuen
Dingen aufgeschlossen sein, und ihre Pferde besser zu trainieren als
letzten
Monat, nicht nur um sie schneller zu machen sondern zum Wohle der
Tiere.
“Geheimnisse” die es lohnen würde für sich zu behalten gibt es nicht
mehr. Ich
kann mir leisten Tips zu geben, weil ich weiß, wie ich mein Pferd durch
einen
Trainingsplan mit hoher Workload bekomme, ohne es zu überfordern. Das
Pferd
braucht dazu eine Aufbauzeit von mehreren Jahren. Reiter X kann das
nicht in 5
Wochen nachmachen wenn er einem festen Plan folgt (die früheren starren
Trainingspläne haben geholfen, viele Pferde zu verschleißen). Ein
denkender
Reiter kann immer von den Erfahrungen anderer profitieren, auch wenn er
deren
Techniken nicht sofort umsetzen kann. Erfahrungsaustausch
ist selber eine Schlüsseltechnologie, und engagierte
Trainingsgemeinschaften,
Vereine oder moderne Netzwerke in denen Informationen auch über
Ländergrenzen
hinweg ausgetauscht werden, auch Newsgroups wie Ridecamp,
haben hohen Wert. Informationen werden immer schneller
verbreitet und müssen demzufolge auch schnell gespeichert, verarbeitet
und auf
ihren Gehalt geprüft werden. Jeder Reiter sollte noch dazulernen
können. Soweit
es Pferde betrifft, bleiben wir solange wir leben Anfänger. Ich bin
gespannt
dazuzulernen.
Frank
Mechelhoff (Jan. 2000)